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Schülerzeitung des Kopling Kollegs Freiburg

 

 

Buchrezension

Ariana Franklin - Die Totenleserin

News der Schülerzeitung des Kopling Kollegs Freiburg

Die Totenleserin
Autor: Ariana Franklin
Übersetzung: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Genre: Historischer Kriminalroman
ISBN-13: 978-3-4266-3490-5
ISBN-10: 3426634902
Sprache: Deutsch
Verlag: Droemer/Knaur
Taschenbuch: 496 Seiten
Auflage I: 01. April 2008
Original: Mistress of the Art of Death
Homepage: www.die-totenleserin.de

 

Einleitung & Inhalt
Nach langen Studien und Reisen, entschließt die Autorin Ariana Franklin sich zu diesem Roman, um die Geschichte ein bisschen gerechter werden zu lassen, und lässt anhand zahlreicher authentischer Einflüsse ein Roman entstehen, der ein Spiel zwischen Realität und Phantasie ist.

Wir befinden uns in mittelalterlichen Cambridge anno 1170. Ein Junge wird tot aufgefunden und man schreibt den Mordden Juden zu, die daraufhin zusammengepfercht werden und deren Tod verlangt wird. Weitere Kinder sterben auf die gleiche grausame Art und Weise. Heinrich II., König von England, der für seinen humanen Umgang mit den Juden bekannt ist, lässt aus Salerno unter anderem einen Totenarzt kommen.

Verdeckt muss dieser ermitteln, denn es handelt sich dabei um eine Frau, Adelia, die im damaligen England als Ärztin nicht arbeiten darf, weil diese Tätigkeit Frauen von der Kirche verboten wird. Sie untersucht im Geheimen die Kinderleichen und macht schreckliche Entdeckungen. Auf ihrem Weg, die Wahrheit ans Licht zu bringen, stößt sie auf Missgunst, Verlust und auch innere Zwiespältigkeit, und muss sich gleichwohl auch selbst fragen, wem sie überhaupt vertrauen kann.

Humor
Action
Spannung
Anspruch
Gefühl
Erotik
Recherche
Stil

gelesen von: aBraXaS im: Mai/Juni 2008

Meine Meinung
Es war schwierig, mich in die Geschichte einzulesen, da die ersten Seiten aus einer Ich-Perspektive nach außen gehen, bevor die Situation als solches beleuchtet wird, und die Autorin dazu übergeht, die Erzählperspektive zu verwenden. Offensichtlich versuchte Ariana Franklin den Leser sofort ins Geschehen zu setzen, was allerdings misslingt und es notwendig macht, nach kurzem Zurechtfinden, die ersten Zeilen noch einmal zu lesen.

Dann allerdings wechselt sie zu einem recht flüssigen Stil, der es endlich erlaubt, sich darauf einzulassen und die Person Adelia, die nüchtern und als keine Augenweide beschrieben, endlich einen Charakter erhält, der so gar nicht in das Genre "Heldin" passen möchte, welche grundsätzlich schön, klug und anmutig sind. Hier wird eine Frau beschrieben, die faktisch denkt, Intelligenz und Bodenständigkeit in sich vereint und nichts auf äußerliche Reize gibt. Zart besaitet ist anders und man gerät ins Schwanken, ob man sie nun wirklich so toll finden soll oder ihr ebenfalls skeptisch gegenübersteht. Man identifiziert sich daher mehr mit den Charakteren aus ihrer Umgebung, die sie von Außen wahrnehmen, als mit ihr selbst von innen heraus. Authentischer wird sie, als sie sich verliebt und sich dagegen wehrt, weil es nicht zu ihr passt, wie sie selbst über sich denkt - und der Leser wohl auch.

Es ist mutig, seine Heldin so zu beschreiben und im Laufe der Geschichte findet man immer besseren Zugang zu ihr, wenngleich die Gefahr, abzurutschen, stetig gegeben ist, weil sie lediglich durch ihre Taten überzeugt. Man wünschte sich allerdings manchmal, dass diese introvertierte, selbstbewusste Persönlichkeit mehr lacht, doch in dem sie ihrer geradlinigen Art und Weise treu bleibt, bleibt sie gleichwohl auch authentisch. Zusammengefasst könnte man sagen, dass es ein Wagnis ist, das sich nicht lüftet. In einem Moment überzeugt die Darstellung und im anderen löst man sich wieder all zu schnell von ihr, was ein Fesseln an die Geschichte nicht garantiert.

Auf ihrem Weg, die Todesfälle aufzuklären und die Juden zu entlasten, gerät Adelia in einen Strudel und der Leser mit ihr, weil er nicht weiß, wem man noch vertrauen kann und wem nicht. Die Autorin vermittelt hervorragend die Skepsis, die hart an der Grenze zur Paranoia steht und führt den Leser somit an der Hand durch das Geschehen. Zeitweise glaubt man, Fehltritte der Charaktere ahnden zu müssen, was Adelia dann allerdings zumindest teilweise für einen übernimmt, allerdings nicht immer befriedigend.

Grundsätzlich kann man sich nur schwer mit den beschriebenen Charakteren identifizieren, doch es gelingt der Autorin ein authentisches Bild von ihnen zu liefern. Zumindest scheinen sie alle eine Ausnahme der Regel zu sein. Der Täter stellt sich dann schlussendlich als krankhafter Urvater des BDSM heraus, und fällt somit abermals in die Kategorie der Moderne, in der man sich schlecht vorstellen kann, dass es diese Art von Charakter in der damaligen Zeit so gegeben haben soll.

Taucht man dann hin und wieder in die Geschichte ein, glaubt, mit dabei zu sein, reißt die Autorin den Leser wieder heraus, in dem sie die Charaktere in der Szene Informationen austauschen lässt, diese dem Leser allerdings nicht auch mitteilt. Zwar klärt sich das Gesagte auf den Folgeseiten, doch in diesem Moment zweifelt man an der schriftstellerischen Leistung, dem Leser weiterhin zu vermitteln, mitten im Geschehen teilzunehmen, was grundlegend dafür ist, ihn zu fesseln. Entscheidende Informationen mit einem "Sie erklärte es ihm" (S. 33) und "[...] 'Wer hat ihr das angetan?' Sie sagte es ihm" (S. 399) - aber nicht dem Leser - vorzuenthalten, ist nicht der klügste Weg, sich Begeisterung und Mitfiebern zu sichern und vor allem die Lust auf mehr zu steigern.

Die Geschichte selbst ist ein guter Kriminalroman, auch wenn die Zeit etwas irritierend wirkt. Es ist nicht bewiesen, dass auf diese Weise tatsächlich Untersuchungen bei Kriminalfällen gemacht wurden, und dessen ist sich die Autorin auch bewusst. Sie versucht auf eine schriftstellerisch hübsche Art und Weise die Dinge etwas gerade zu rücken, was mit großer Wahrscheinlichkeit damals falsch gelaufen ist. Die Fälle, die sie beschreibt, haben einen historischen Hintergrund, orientieren sich aber nicht an diesen Tatsachen.

Dass die Autorin sich einige Jahre mit der Zeit und den Gerichten sowie Gesetzen des Mittelalters befasste, ist deutlich aus ihren Zeilen herauszulesen, und auch in den Anmerkungen auf den letzten Seiten des Buches, wie auch in einem Interview, erklärt sie, dass sie einige Punkte modern beschrieben und benannt habe, sodass man sich als modern-denkender Mensch besser in die Geschichte einfinden könne.

Eine sehr noble Angelegenheit, allerdings hätte sie besser daran getan, ihren Stil auszufeilen, als sich darauf zu versteifen, es dem Leser recht zu machen. Somit wirkt es leider etwas zu sehr nach außen gedacht, als hinein gefühlt. Ein Autor sollte schreiben, wie er fühlt, und sich nicht währenddessen Gedanken darum machen, wie er den Leser am Besten überzeugt, zumindest nicht so offensichtlich, dass der Leser es erkennen kann. Und eben das ist hier leider geschehen.

Fazit: Schlussendlich ist dieser Roman für jeden geeignet, der gerne Kriminalromane moderner Zeit liest und sie einmal eine andere Zeit umgeschrieben und eingesetzt vorstellen möchte. Die historische Zeit spielt in diesem Fall eher eine weniger tragende Rolle, obwohl der Versuch unternommen wird, was das Buch sich von einem Meisterwerk entfernen lässt. Empfohlen auch für all jene, die ebenfalls die Geschichte gerne manchmal zurechtrücken würden und sich für die Emanzipation einsetzen. Vor allem, weil die Vorlage zur Ärztin Adelia tatsächlich existierte, wenngleich dies nicht offiziell bestätigt wurde. Eine leichte, interessante, aber leider nicht fesselnde Lektüre, eher "das Buch zwischendurch".

Gesamtnote
2,7

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