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Schülerzeitung des Kopling Kollegs Freiburg

 

 

Buchrezension

Dr. Klaus Kühlwein
Warum der Papst schwieg - Pius XII. und der Holocaust

News der Schülerzeitung des Kopling Kollegs Freiburg
Dr. Klaus Kühlwein - Warum der Papst schwieg - Pius XII. und der Holocaust

Warum der Papst schwieg
Pius XII. und der Holocaust

Autor: Dr. Klaus Kühlwein
Genre: Sachbuch
ISBN-13: 978-3491725270
ISBN-10: 3491725275
Sprache: Deutsch
Verlag: Patmos; Auflage: 1
Gebundene Ausgabe: 246 Seiten
Auflage I: September 2008

Dr. Klaus Kühlwein schreibt in seinem Sachbuch "Warum der Papst schwieg - Pius XII. und der Holocaust" wie der Titel schon sagt über Papst Pius XII., der in der Zeit des zweiten Weltkriegs zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählt wurde.

Umstritten sind die Ansichten über sein Handeln überall auf der Welt und es stellen sich Fragen aus verschiedenen Sichtweisen, ob es richtig war, dass Papst Pius XII. sich nicht öffentlich zu den Grausamkeiten vor allem gegenüber den Juden während der Diktatur Hitlers zu äußern, oder ob Papst Pius XII. genau das richtige getan hat, um nicht noch weitere Juden zu gefährden und ihre Lage mit einer öffentlichen Stellungnahme zu verschlimmern.

Neutralität
Einfachheit
Anspruch
Recherche
Stil/Aufbau

gelesen von: aBraXaS im: September-Oktober 2008

Dr. Klaus Kühlwein greift umfassend all diese Fragen schon zu Beginn seines Buches auf, führt Thesen und Antithesen an und beleuchtet beide Seiten des Streites um Unrecht und Recht bezüglich Papst Pius XII. Er lässt für jede Meinung Raum und nimmt diese und auch ähnliche Fragen, Vorurteile, Urteile und Meinungen zum Anlass, zuerst einmal die Situation sachlich aufzuklären, um die es sich grundsätzlich dreht.

Intensive Vorbereitungen und eine detailverliebte Recherche belegen seine Aussagen anhand von glaubwürdigen Aussagen, die vor allem auch im Seligsprechungsprozess Papst Pius XII. gemacht wurden, wie auch immense Dokumente aus dem Geheimarchiv des Vatikans, zu denen Kühlwein Zugang erhielt. Aus einer seitenlangen Liste an Quellverweisen bekommt man einen Eindruck von der Fülle der Recherche um diese umstrittene Thematik.

Darunter nicht nur oben erwähnte Aussagen von Zeitzeugen, sondern auch Briefe und Dokumente an den Vatikan und von Papst Pius XII. selbst. Des weiteren konnte Kühlwein in verschiedenen Gesprächen, die er selbst mitnichten als Interviews bezeichnen würde, weitere Details erfahren und seine Vermutungen, Einschätzungen und Fragen klären, um sein Buch abzurunden und zu vervollständigen.

Grundsätzlich widmet sich Kühlwein der Frage, was für ein Mensch Papst Pius XII. gewesen sein muss, was ihm anhand seiner kirchlichen wie auch menschlicher Lebenslaufbahn und aus verschiedenen Notizen, Dokumenten und Zeitzeugenaussagen wunderbar gelingt. Man erhält einen in sich stimmigen und bald schon vertrauten Eindruck des Mannes und Menschen Eugenio Pacelli. Von seiner Kindheit über seine Schul- und Studiumszeit bis hin zu seiner "Karriere" im Vatikan, die er selbst offensichtlich so gar nicht angestrebt hatte.

Zeitgeschichtlich wird der Leser parallel informiert, wie die Lage in Deutschland sich entwickelt und letztendlich verschärft, und was Pacelli schon vor seiner Amtszeit gedacht haben muss, beziehungsweise auch, wie sehr Pacelli Deutschland mochte, und selbst auch lange Zeit dort wohnte.

Kühlwein schreibt in flüssigen und klaren Worten, um den Kern der Sache zu treffen, ohne zu übereilen oder gar eine Meinung vorweg zu nehmen. Man fühlt mit dem Menschen Pacelli mit, kann viele Schritte, die er tat, verstehen und dennoch getrennt davon für sich selbst entscheiden, ob sie richtig waren oder falsch. Pacelli als perfektionistischer Katholik, der alle Für und Wider abwägt, um eine Entscheidung zu treffen, der Bücher liebt, diplomatisch wirkt und versucht, immer das richtige zu tun, damit er seinem gegenwärtigen Amt, gleich welches es zu seinerzeit war, gerecht wurde.

Eine strikte Meinung, die der Leser übernehmen soll, gibt Kühlwein nicht vor, auch wenn er an wenigen Stellen den Leser wissen und teils erahnen lässt, wie er selbst über die ein oder andere Sachlage, Tat oder eben Nichttat denkt. Er überlässt es trotz allem offensichtlich dem Leser, aus der Fülle der Informationen, die Kühlwein für diesen zusammengetragen und kompakt verständlich sowie in eine logische Reihenfolge gebracht hat, sein eigenes Bild und seine eigene Meinung zu bilden.

Er drängt nicht, wie es manch andere Autoren tun, seine Meinung auf, und er gibt dem Leser das Gefühl, dass dieser auch mit einer gegenteiligen Ansicht über die Sachlage nicht verurteilt wird. Kühlwein hat es in seinem Buch geschafft, die Tatsachen auf den Tisch zu bringen und zwischen diesen einen logischen Zusammenhang zu schaffen, in dem er die Person Eugenio Pacelli intensiv beleuchtet, sodass dieses Buch als Grundlage gelten kann, um sich in die Materie einzufinden und sich selbst in seiner Meinung zu festigen, wenn man nicht gänzlich von anderen Büchern und Meinungen vorbelastet ist.

Prinzipiell dürfte es der Kirche ein Dorn im Auge sein, wie auch vielleicht vielen exzessiv gläubigen Katholiken, dass Kühlwein den Papst vermenschlicht. Doch genau das war Eugenio Pacelli alias Papst Pius XII. - ein Mensch. Trotz seiner hohen Position, der höchsten der katholischen Kirche, war er ein Mensch, ein Individuum mit Stärken und Schwächen, über die man streiten kann. Doch nur so lässt sich sein Handeln besser verstehen und auch teilweise erklären, ohne die Handlungen mit seinem Wesen zu beurteilen oder zu rechtfertigen. Es bleibt grundsätzlich mehr als genug Raum, um weiterhin eine Pro- oder Contra-Meinung zu bilden, da die Beleuchtung der Person Pacelli keine Rechtfertigung darstellt, sondern nur ein überaus wichtiger Hintergrund, mehr zu verstehen und seinen Horizont über manch eine Blindheit hinweg zu erweitern.

Es sei nicht unerwähnt, dass ein gewisses Hintergrundwissen um den zweiten Weltkrieg, wie auch verschiedene Fachausdrücke bezüglich der Hierarchie in der katholischen Kirche, aber auch geschichtlich gesehen, hilfreich sein können, um den Lesefluss nicht zu unterbrechen. An manchen Stellen ist es schwierig, die verschiedenen Synonyme zu unterschieden, wenn man sich nicht grundsätzlich mit der Materie aus dieser Zeit oder der aus der katholischen Kirche beschäftigt. Dennoch ist dieses Buch überaus flüssig zu lesen, ohne dass es an irgendeiner Stelle trocken und zu schwierig wirkt.

Kühlwein hat es geschafft ein Sachbuch als gut recherchierte, biografisch-menschliche Geschichte aufzubauen, die den Tatsachen ins Auge blickt und die jeder Leser für sich auch verstehen kann, weil er sich selbst in seinem Menschsein ebenso gut auskennt.

Fazit
Für jeden ist es zu empfehlen, der sich mit der Sachlage um den Papst während des Holocausts auseinandersetzen möchte und der seine Meinung selbst, auf eigenem Weg und frei von Beeinflussung zu bilden pflegt.

Gesamtnote
1,5

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Gegenrezension zu scharfkantiker Kritik bei amazon.de
Folgendes wollte ich Euch nicht vorenthalten und zwar die Gegenrezension zu der starken Kritik, die Herr Hesemann gegenüber Dr. Kühlwein bei amazon.de geäußert hat. Von dieser ausführlichen Kritik wird nur eine überaus gekürzte Fassung dort von mir eingestellt werden. Diese findet Ihr weiter unten.

Zu meinem Vorredner möchte ich erst einmal anmerken, dass ich persönlich es sehr unprofessionell empfinde, als Konkurrenzautor eine Rezension über einen anderen Autor zum gleichen Thema zu schreiben. Vor allem dann, wenn der Konkurrenzautor in seinem Buch offensichtlich seine eigene Meinung als die einzig wahre hinstellt, und sein Buch so aufbaut, dass dem Leser kaum eine Möglichkeit zur eigenen Meinungsbildung offen bleibt. Somit empfinde ich diese Rezension für mich als unglaublich subjektiv und daher gegenstandslos, und für alle, die sich mit der Materie weniger auskennen, als befremdlich, was zu einer Unsicherheit gegenüber der generellen Meinung führen kann, die man sich selbst bilden sollte.

Ebenso wenig richtig wie die Tatsache, dass ein Konkurrenzautor eine so subjektive Rezension schreibt, sind die angeführten Punkte des Herrn Hesenmann, denn nach intensiver Studie des Buches von Herrn Dr. Kühlwein, konnte ich angegebene Zitate zum einen in diesem Buch überhaupt nicht finden und zum anderen nicht in diesem Zusammenhang deuten, weil sie aus demselbigen gerissen wurden. Kühlwein stellt Pacelli keineswegs als schwachen, unentschlossen Papst hin, sondern als Menschen, der perfektionistisch alle Für und Wider abwägt, bis er eine Entscheidung trifft und sicher sein kann, dass er an alles, auch an mögliche Folgen, gedacht hat. Unentschlossen wirkt dies nur dann, wenn man dieses Adjektiv missbraucht, ohne die Umstände zu erklären, um was es Kühlwein in seinem Buch geht.

Des weiteren kreidet Hesemann an, Kühlwein habe in seinem Buch die Tatsache außer Acht gelassen, dass der Vatikan offensichtlich bedroht worden wäre. Dies kann eindeutig widerlegt werden, wer Kühlweins Buch liest, in dem sehr wohl und vor allem auch sehr eindeutig beschrieben steht, dass eine Übernahme des Vatikans im Laufen war, aber herausgezögert wurde und ebenso auch, dass Pacelli sich sehr wohl darüber im Klaren war, ja sogar damit gerechnet hat, dass er entweder gefangen genommen werden würde oder gar getötet. Er nahm dies in Kauf und hatte keine Angst davor, wie Kühlwein ebenso eindeutig schreibt, daher kann ich nicht nachvollziehen, wie man auf die Aussage kommt, dass Kühlwein diese Tatsache unerwähnt oder gar unbeachtet lässt. An vielen Stellen schreibt Kühlwein zusätzlich, dass dadurch vieles nicht schriftlich festgehalten wurde, weil Pacelli vermeiden wollte, dass verräterische Dokumente in die Hände des Feindes gelangen.

Des weiteren führt Hesemann an, Kühlwein würde sich selbst widerlegen, wenn er schriebe, dass Papst Pius XII. sich letztendlich zum Schweigen entschieden habe, aber kurz darauf erwähne, er habe den Brief an Bischoff Assisi mit der Aufforderung, Juden zu verstecken, geschrieben. Ich frage mich, warum Kühlwein sich selbst widerlegt, denn dieser Brief ist weiterhin keine öffentliche Stellungnahme im Sinne einer Rede oder dergleichen, die der Papst abgibt und die Kühlwein offensichtlich meint. Es ist für jeden eindeutig, dass öffentlich nun einmal in dieser Form, die Kühlwein beschreibt, NICHTS passierte, denn sonst gäbe es diese Diskussion nicht, dass der Papst geschwiegen habe, worüber sich wohl alle einig sind, weil es sonst keine verschiedenen Lager gäbe, die sich darüber austauschen (oder auch nicht), ob das SCHWEIGEN richtig oder falsch war.

Die Zahl, die Hesemann weiter anführt ist nirgends dokumentiert. Dass Pius viele Juden retten konnte, ist auch in Kühlweins Buch nicht unerwähnt, im Gegenteil. Aber eine Zahl von ca. 850.000 Juden anzuführen, ohne diese Zahl auch nur im Mindesten belegen zu können, wirkt wie ein zusätzlicher Affront gegen Kühlwein und für Hesenmanns eigenes Buch.

Weiter führt Hesemann an, Kühlwein würde in seinem Buch behaupten, Pius sei einer feigen Schwäche unterlegen. Dies ist, mit Verlaub gesagt, a) eine Unterstellung und b) daraus geboren, dass Herr Hesemann nur liest, was er gerne so verstehen möchte, um seine Meinung über das Buch von Herrn Dr. Kühlwein zu bestätigen. Er scheut daher nicht davor zurück, eigene, sehr freie Interpretationen als tatsächliche Aussagen oder Inhaltsvermittlung zu verkaufen. Kühlwein gab niemals eine Wertung auf die Menschlichkeiten des Papstes, in keinem seiner Worte, wovon sich jeder Leser selbst überzeugen kann. In selbem Atemzug stellt Hesemann es so hin, als hätte Kühlwein geschrieben, Papst Pius hätte gewusst, was passieren könnte (dass es noch schlimmer werden würde, wenn er öffentlich Stellung bezöge), aber Kühlwein beschreibt kein Wissen, sondern lediglich die Furcht Pacellis davor, dass es so kommen könnte, was in diesem Fall ein himmelweiter Unterschied ist und von Hesemann nur angeführt wird, seine eigene These zu untermauern.

Im letzten Absatz zeigt sich dann Hesemanns Einstellung, die ich zu Beginn dieses Vorwortes schon erwähnte, denn er schreibt wörtlich "So, und nur so, konnten unzählige Menschenleben gerettet werden". Diese Aussage ist für mich der Beweis dafür, dass Hesemann keine weiteren oder gar anderen Meinungen zulässt, für ihn ist es so und nicht anders, und so vermittelt es auch sein eigenes Buch. Diese Aussage kann nicht belegt werden. Wir Nachkommen können nur belegen, was tatsächlich bewiesen ist. Dies ist eine These, die man nun einmal glauben kann oder nicht, aber sie anderen aufzudrängen, wäre, wie einem Menschen, der in seiner Religion mehrere Götter anbetet, aufzudrängen, dass es nur einen Gott gibt, oder jemandem, der christlich gläubig ist, aufdrängen zu wollen, dass es eben keinen Gott gibt.

Und daran knüpfe ich nun meine eigene Rezension über Kühlweins Buch, der jeder Meinung freien Raum zur Entfaltung gibt und niemandem vorschreibt, was er zu denken hat, damit jeder aus den vorgegebenen Tatsachen selbst entscheiden kann, ob richtig oder falsch war, wie der Papst gehandelt oder eben nicht gehandelt hat. Kühlwein hat seine eigene Meinung, die er auch anbringt, aber sehr dezent und weiterhin so, dass man selbst immer noch genug respektierte Luft hat, zu sagen, dass man selbst es nicht so empfindet, weil die Tatsachen für einen selbst ein anderes Bild ergeben. Dr. Kühlwein verurteilt andere Meinungen mitnichten, sondern nimmt diese ernst und auch in seinem Buch auf, um zu versuchen, die Fakten zu ermitteln und zu sehen, was von all den Aussagen und Urteilen nun belegt werden kann und was hinzuinterpretiert wird - und dann auch, ob zurecht oder nicht.

In Kühlweins Buch geht es nicht um ein Urteil, dass nichts getan wurde, sondern darum, zu sehen, was noch mehr hätte getan werden können, und ob dieses Mehr gefährlich gewesen wäre oder nicht.

Gekürzte Fassung, die bei Amazon.de eingestellt wird:

Zur Rezension von Herrn Hesemann möchte ich anmerken, dass ich es unprofessionell empfinde, wenn der "Konkurrenzautor" eines Papst-Pius-Buches über einen anderen Pius-Autor herzieht. Herr Hesemann gibt seine Ausführungen den Anschein einer unangreifbaren Logik mit knallharten Fakten. Der Leser hat dabei keine Möglichkeit zur eigenen Meinungsbildung.

Vor allem fiel mir auf, dass Herr Hesemann die angegebenen Zitate aus Kühlweins Buch aus dem Zusammenhang reist und sogar umdeutet, um sie als Waffe für sein subjektives Ziel einzusetzen. Überdies fand ich ein für Hesemann zentrales Zitat überhaupt nicht in meiner Ausgabe (betr. Hitlers Schlag gegen die Kirche).

In eben dieser Ausgabe lese ich sehr wohl, dass Hitler die Kirche, den Vatikan und sogar den Papst persönlich schwer bedroht hat. Pius war das bewusst. Auch kann ich in meiner Ausgabe keine Selbstwiderlegung des Autors Kühlwein nachvollziehen. Warum sollte der Brief des Papstes an den Bischof von Assisi im September 1943 ein Beispiel für Selbstwiderspruch sein? Dieser Brief ist keine öffentliche Stellungnahme im Sinne einer Rede oder dergleichen, die der Papst abgibt und die Kühlwein offensichtlich meint.

Ich kann auch keine Belege finden für die angebliche zentrale These Kühlweins von "Pius´feiger Schwäche". Ich lese, dass Pacelli keine Angst hatte, sondern ein Mensch war, der perfektionistisch alle Für und Wider abwägen wollte, bis er eine Entscheidung traf, bis er sicher sein konnte, dass er an alles, auch an entfernte mögliche Folgen, gedacht hat.

Der letzte Absatz bei Hesemann ist für mich erneut Beweis dafür, dass der Autor keine weiteren oder gar anderen Meinungen zulässt, für ihn ist es so und nicht anders. Wörtlich schreibt er: "So, und nur so, konnten unzählige Menschenleben gerettet werden" (Hesemann nennt die Zahl von 850.000 Juden). Diese hohe Zahl ist nirgends dokumentiert. Dass Pius viele Juden retten konnte, ist auch in Kühlweins Buch nicht unerwähnt, im Gegenteil.

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