| Manchmal fragen
mich die Leute, ob ich Einzelgängerin sei. Ich
weiß in dieser Situation nie eine Antwort, nicht
definitiv und eigentlich weiß ich auch sonst
keine Antwort auf diese Frage, auch wenn ich sie nicht
gestellt bekomme.
Was
ist denn ein Einzelgänger?
Als Einzelgänger geht man alleine seinen Weg.
Ja, aber heißt das auch im selben Zug, dass
man einsam ist oder ständig ohne Begleitung?
Ich brauche niemanden,
um mit mir selbst etwas anfangen zu können. Ich
liebe es, auch mal allein ins Kino zu gehen, um mich
komplett meinem Gefühl hingeben zu können,
ohne abgelenkt zu werden und vielleicht etwas zu verpassen,
das ich gerne gefühlt hätte. Gleichwohl
heißt das aber nicht, dass ich nicht gerne auch
mit Freunden einen Film anschaue, eben auch, weil
es hier ganz andere Empfindungen gibt, die man allein
eben nicht haben kann.
Allein in einem Café?
Warum denn nicht? Trubel und Bewegung um mich herum
und dennoch Orte, an denen ich meine ruhige Ecke habe,
in der mich niemand stört. Ich sitze alleine
am Tisch im Café und doch bin ich nicht allein.
Ich müsste nur den Kopf aus meinem Buch, das
ich lese, dem Blatt, das ich beschreibe, dem Papier,
welches ich bezeichne, oder den Gedanken, in denen
ich träume, heben und wäre mitten drin,
wäre nicht mehr allein. Ich genieße es,
an diesen Orten zu sein, wie auch gerade in diesem
Moment, da ich an meinem PC sitze und nur aufstehen
und ins Nebenzimmer gehen müsste, um nicht mehr
alleine zu sein. Bin ich nun deshalb eine Einzelgängerin,
weil ich nicht ständig ins Nebenzimmer gehe oder
den Kopf hebe?
Oder bin ich Einzelgängerin,
weil ich keine Hilfe bräuchte, um etwas auf die
Beine zu stellen, etwas zu erreichen oder zu organisieren?
Ich arbeite gerne im Team, aber ich bin fähig
diese Arbeiten auch gerne (!) alleine zu bewältigen,
um ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Aber bin ich noch
Einzelgängerin, wenn ich sage, dass ich die Gespräche
mit meiner Freundin liebe und ich diese ständig
um mich haben könnte? Auch andere, wenn auch
nur wenige Menschen, kann ich länger in meiner
Gegenwart haben, und habe sie auch gerne dort. Schwierig
wird es dann aber, wenn es mehrere auf einmal sind.
Die Gefahr in eine Zwickmühle zu geraten steigert
sich mit jeder weiteren Person. Ich konzentriere mich
gerne vollkommen auf eine Person, so kann ich mich
komplett auf sie einstellen und in einer Gruppe ist
das nicht möglich ohne Grüppchenbildung.
Man muss zwangsläufig
seine Aufmerksamkeit teilen, was sehr anstrengend
ausarten kann. Findet man ein Thema, das alle mit
Begeisterung aufnehmen, dann kann es sehr interessant
und amüsant werden, doch diese Themen sollte
man nicht zwanghaft suchen, und leider stellen sie
sich nicht in der Regel ein. Daher gilt für mich
der Grundsatz, je kleiner die Gruppe, wenn überhaupt,
so wohler fühle ich mich letztendlich.
In großen Gruppen
ziehe ich mich in die Beobachterrolle zurück
und lass geschehen, was geschieht. Nur in besonderen
Fällen greife ich in das Geschehen ein und beeinflusse
es irgendwie, so wie es nun einmal passiert, wenn
man sich beteiligt. Jeder beeinflusst den Verlauf
eines Gespräches und einer Diskussion, sobald
er etwas zum Thema beizutragen weiß. Im Endeffekt
bin ich einfach lieber alleine, als in schlechter
Gesellschaft. Man kann schließlich nicht mit
jedem auf der selben Wellenlänge sein.
In der Beobachterrolle
dann ziehe ich mich manchmal in mein Gedankenmeer
zurück, das mich irgendwann mitreißt im
Strom und mit mir macht, was es will. Ich bin den
Gezeiten willenlos und gegenwehrfrei ausgeliefert.
Dann bin ich nicht mehr die Einzelgängerin, sondern
auf einmal nur noch die Träumerin. Aber ist ein
Gedankenfluss denn zugleich Tagtraum? Sind Tagträume
nicht viel mehr die unbewussten Bilder, die sich vor
dem inneren Auge zeigen? Und nur weil ich mich hingebe,
bin ich dann Einzelgängerin?
Und
einzeln einen Weg zu gehen ist doch gar nicht schlimm.
Im Gegenteil, denn kann ich nicht froh sein, kein
Mitläufer zu sein, der einen Weg geht, weil ihn
so viele gehen? Sollte ich nicht stolz sein, mich
nicht einreihen zu müssen in einen fremden Gedanken,
einen fremden Traum, dessen Weg ich gar nicht ersehen
kann und nur das Ziel kennen würde, ohne das
Warum dahinter? Ist nicht das Gegenteil von einem
Mitläufer der Einzelgänger?
Und
wie werde ich jetzt auf die leicht abwertende Frage
antworten, ob ich eine Einzelgängerin bin?
Ich
werde sagen, ja, und ich bin stolz darauf, meinen
Weg nicht nach anderen zu richten, nur weil viele
sich einreihen und einfach mitlaufen. Ich bin stolz
darauf, weil ich am Ziel sagen kann, ich habe es allein
erreicht, und ich weiß genau, warum ich diesen
Weg ging; und ich weiß auch genau, warum ich
dieses Ziel habe– denn es ist mein Ziel, mein
Traum gewesen und nicht irgendeiner, von irgendwem.
aBraXaS
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